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Sommergedichte Gottfried Keller


Schöne Gedichte des bekannten schweizer Dichters

Sommernacht

Das ist die üppige Sommerzeit,
Wo alles so schweigend blüht und glüht,
Des Juli stolzierende Herrlichkeit
Langsam das schimmernde Land durchzieht.

Ich hör ein heimliches Dröhnen gehn
Fern in des Gebirges dämmerndem Blau;
Die Schnitter so stumm an der Arbeit stehn,
Sie schneiden die Sorge auf brennender Au.

Sie sehnen sich nach Gewitternacht,
Nach Sturm und Regen und Donnerschlag,
Nach einer wogenden Freiheitsschlacht
Und einem entscheidenden Völkertag!

- Gottfried Keller 1819-1890 -



Wenn schlanke Lilien wandelten

Wenn schlanke Lilien wandelten, vom Weste leis geschwungen,
Wär doch ein Gang, wie deiner ist, nicht gleicherweis gelungen!
Wohin du gehst, da ist nicht Gram, da ebnet sich der Pfad.
So dacht ich, als vom Garten her dein Schritt mir leis erklungen.
Und nach dem Takt, in dem du gehst, dem leichten, reizenden,
Hab ich im Nachschaun wiegend mich dies Liedchen leis gesungen.

- Gottfried Keller 1819-1890, aus Gaselen -



Ich halte dich in meinem Arm

Ich halte dich in meinem Arm, du hältst die Rose zart,
Und eine junge Biene tief in sich die Rose wahrt;
So reihen wir uns perlenhaft an Einer Lebensschnur,
So freu'n wir uns, wie Blatt an Blatt sich an der Rose schaart.
Und brennt mein Kuß auf deinem Mund, so zuckt die Flammenspur
Bis in der Biene Herz, das sich dem Herz der Rose paart!

- Gottfried Keller 1819-1890, aus Gaselen -



Nun schmücke mir dein dunkles Haar mit Rosen

Nun schmücke mir dein dunkles Haar mit Rosen,
Den Schleier laß die Schultern klar umkosen!
In holden Züchten laß die Augen streifen,
Sie können es so wunderbar, die losen!
Du sollst an meinem Arm die Stadt durchschweifen
Und meiner Neider goldne Schar erbosen!

- Gottfried Keller 1819-1890, aus Gaselen -



Regensommer

Nasser Staub auf allen Wegen!
Dorn und Distel hängt voll Regen,
Und der Bach schreit wie ein Kind!
Nirgends blüht ein Regenbogen!
Ach, die Sonn ist weggezogen
Und der Himmel taub und blind!

Traurig ruhn des Waldes Lieder,
Alle Saat liegt siech darnieder,
Fröstelnd schläft der Wachtel Brut.
Jahreshoffnung – fahler Schimmer!
Mit den Menschen steht's noch schlimmer:
Kalt und träge schleicht ihr Blut!

Krankes Weib am Findelsteine
Mit dem Säugling, weine! weine
Trostlos oder hoffnungsvoll:
Nicht im Feld und auf den Bäumen –
In den Herzen muß es keimen,
Wenn es besser werden soll!

Fleh zu Gott, der ja die Saaten
Und das Menschenherz beraten,
Bete heiß und immerdar,
Daß er, unsre Not zu wenden,
Wolle Licht und Wärme senden
Und ein gutes Menschenjahr!

- Gottfried Keller 1819-1890, aus Buch der Natur -



Hell im Silberschaume flimmernd

Am Wasser


Hell im Silberschaume flimmernd
Zieht und singt des Baches Welle,
Goldengrün und tiefblau schimmernd
Küßt sie flüchtig die Libelle;
Und ein drittes kommt dazu,
Eine Blüte hergeschwommen:
Alle haben drauf im Nu
Heitern Abschied schon genommen!

Und die Esche beugt sich drüber,
Schaut in Ruh das holde Treiben,
Denkt: Ihr Lieben, zieht vorüber!
Ich will grünen hier und bleiben!
Und ich unterm Eschenbaum:
Was soll denn mit mir geschehen
In dem reizend leichten Traum?
Soll ich bleiben? Soll ich gehen? –

- Gottfried Keller 1819-1890, schweizer Dichter;
aus Buch der Natur -



Gottfried Keller wurde 1819 in Zürich geboren.

Er begann 1834 eine Lehre als Lithograph. In dieser Zeit
entstanden auch erste Landschaftszeichnungen. Die ersten
Gedichte entstanden 1843. 1845 erscheinen dann die ersten
Publikationen "Lieder eines Autodidakten" und 1846 der Band
"Gedichte".

1855 erscheint der "Grüne Heinrich", ein Roman, der nebst
Goethes Wilhelm Meister und Adalbert Stifters Nachsommer
als einer der bedeutensten Bildungsromane der deutschen
Literatur des 19. Jahrhunderts gilt.



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Gegrüsst mir, goldne Sternenpracht, die spielend sich im
Weltraum wiegt ...



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Diese Homepage von W. Morgenthaler bietet Ihnen Infos
über Leben und Werk des berühmten Dichters.

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Eine Sammlung auf Wikiquote.

Werke von Gottfried Keller
auf dem Internetportal von zeno.org

Galerie Gottfried Keller Zentrum
Eine Ausstellung der besondren Art in Glattfelden.

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Band 1: Gedichte: BD 1







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